Muss es wirklich immer weiß sein. Wir haben zwei Meinungen für Euch.

Erst im frühen 19. Jahrhundert setzte sich die weiße Hochzeitsrobe durch. Allenfalls in fürstlichen Kreisen war das lichte Brautkleid aus Silberbrokat schon früher üblich. Die »normalen Leute« heirateten in ihrer farbigen Festtagstracht.Heute darf es jeder halten, wie er will. Schneeweiß hat seine Vorherrschaft im Zeitalter der freien Wahl an Ivory oder Creme abgegeben; mit Farben halten sich Bräute aber doch eher zurück. Wenngleich die Möglichkeit bestünde. Muss eine Braut »Weiß« tragen? Zwei Thesen:

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Weiß ist für mich die Farbe der Unschuld. So rein und sauber und unberührt. Ich sehe darin das Sinnbild für die Braut. Knallrot, Quietschgelb oder Giftgrün – das geht doch nicht. Das passt meinetwegen in jeden Partykeller oder zu jeder Disconacht, aber ganz sicher nicht zur Hauptdarstellerin bei einer Hochzeit. Ich finde, es ist etwas ganz Besonderes, Weiß zu tragen. Im Alltag dominieren Farben: Kräftig oder pastellen, gestreift, gepunktet oder sonst wie gemustert – was eben gerade so »in« ist. Ein weißes Brautkleid hingegen hat für mich einen ganz eigenen Charakter. Es existiert in meiner Vorstellung schon gar nicht andersfarbig. Meine Mutter trug es so, meine Freundinnen taten es und ich will es ganz genauso haben. Auch weil man damit ein wenig die Tradition pflegt. Und doch nur dieses eine Mal im Leben die Chance hat, auch wirklich unverkennbar wie eine Braut auszusehen. Das ist ein Privileg, finde ich. Etwas, von dem doch jedes Mädchen träumt. Ein Brautkleid in – sagen wir – Blau nimmt etwas von diesem Zauber. Denn wenn es auch genauso geschnitten wäre wie dieselbe Robe in Weiß, es könnte doch genauso gut auch ein langes Abendkleid sein. Und Abendkleider werde ich noch oft genug tragen. Da finde ich es viel aufregender, die einzige bei dieser Hochzeitsgesellschaft zu sein, die auch optisch ganz und gar Braut ist. Darum geht es doch schließlich! Davon abgesehen hat die Farbe Weiß noch ganz andere Vorteile. Der Bräutigam kann nämlich so gut wie nie daneben liegen. Egal für welchen Farbton er sich bei seinem Anzug entscheidet, zu Weiß geht alles. Und egal, mit welchem Brautstrauß er mich überraschen will – er muss alleine darauf achten, dass die Farben zu seinem Outfit passen. Gar kein Problem also. Mit dem Stil hat all das kaum etwas zu tun. Denn modern und fashionorientiert kann jede Braut auch in Weiß aussehen.
Marta.H., aus Kiel

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Weiß ist was für Langweiler. Ich habe keine Lust auf dieses Unschuldsimage. Auch nicht am Hochzeitstag. Ich steh nun mal auf Farbe. Gerade zum Ja-Sagen. Da will ich überhaupt nicht blass und farblos wirken, sondern so richtig mit Pauken und Trompeten ins Eheglück feiern. Deshalb ist mein Brautkleid auch rot. Knallrot. Damit ich auffalle! Ich finde die Sache mit dem weißen Brautkleid ohnehin überbewertet. Solche Symbolhaftigkeit wie Unschuld, Reinheit oder Unberührtheit ist doch nun wirklich überholt. Mein Freund und ich leben seit mehr als acht Jahren zusammen. Da ist die Unschuld längst vorbei. Ich freue mich darüber, dass die Hersteller von Brautmoden zumindest ab und an mit Farbeinflüssen experimentieren. Das zeigt mir, dass so viel Traditionsliebe an Weiß nicht hängen kann. Und positive Einflüsse für die Zukunft verbindet man ja auch mit anderen Farben. Grün wäre dann halt die Hoffnung darauf, dass um das Paar auch in Zukunft alles bestens bestellt bleibt, Gelb bedeutet Weiblichkeit, Wärme, das Sanfte und Sinnliche und »mein« Rot steht ja ohnehin schon für die Liebe. Passt alles ganz hervorragend, wie ich finde. Manchmal bleibt bei mir der Eindruck, dass Bräute dem traditionellen Beiwerk zu einer Hochzeit mehr Bedeutung zumessen als dem Inhalt. Man fährt in der Pferdekutsche, weil Prinzessinnen das früher auch so taten. Man trägt Weiß, weil sich das so gehört. Rosen im Brautstrauß, weil die halt typisch dafür sind. Mir ist hin-gegen das Wichtigste, dass alles von Herzen kommt. Das Ja zueinander. Die Einladung an jeden einzelnen Gast. Und eben auch die Wahl des Brautkleides. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Robe so ist, wie sie einem selbst entspricht. In Form, Ausstattung, Länge, Material – und Farbe. Damit man sich pudelwohl fühlt. Genau so wie ich es in meinem feuerroten Zauberbrautkleid tue.
Paula. W, aus Singen