Schwarzes Brautkleid

Gab es ein schwarzes Brautkleid?

Die Heirat im weißen Hochzeitskleid ist – trotz aller Konventionen – einfach ein muss. Nicht nur, weil die Kleider wunderschön gestylt sind und immer eine gute Figur machen, auch weil gerade in diesem Punkt weder von der Braut noch vom Bräutigam eine Frage in Bezug auf die Tradition erwünscht ist. Sicher, weiß ist die Farbe der Reinheit und der Unschuld – aber war das schon immer so? Gab es ein schwarzes Brautkleid?Sind Brautkleider weiß, seit es die zeremonielle Hochzeit gibt?

Beim Blick zurück in der Geschichte des Brautkleids wird das Gegenteil deutlich. So kleideten sich vor über zweitausend Jahren die Römerinnen in eine Tunika und gürteten sich mit einem doppelten Knoten, der Hercules-Knoten genannt wurde. Darüber wurde eine Stola in gelb getragen. Aufgabe des Bräutigams war es, den Hercules-Knoten zu lösen, während sich die geladenen Gäste zurückzuziehen hatten…Im Mittelalter hüllten sich die begüterten Damen in grüne, rote oder blaue Stoffe aus Gold- oder Silberbrokat, reich mit Stickereien verziert und mit Edelsteinen besetzt. In jenen Zeiten war das Brautkleid somit ein echtes Statussymbol, oft sogar mit dem Familienwappen versehen.

schwarzes Brautkleid von Ladybird

schwarzes Brautkleid von ladybird.nl

Als zum Ende des 16. Jahrhunderts bedingt durch den Einfluss des spanischen Hofes dunkle Kleider in Mode kamen, wurde auch das Brautkleid schwarz. Lange Schleppen, Spitzenüberwürfe und bestückte Schürzen und Bänder zierten nun das Hochzeitskleid. Erst um 1900 trug eine Braut zum schwarzen Kleid auch einen weißen Schleier. Und was trugen die einfachen Leute? Wohl einfach die besten Kleider, die sie besaßen oder eine Tracht.

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts eroberte das Brautkleid „ganz in weiß“ zuerst die städtische Bevölkerung, dann auch das Landvolk, obwohl es gerade für jene Menschen ein teurer Luxus war, denn für die Hausarbeit war ein weißes Kleid denkbar ungeeignet. Auf den Bildern von früher ist zu erkennen, dass in jenen Zeiten das Oberteil eng war und die Taille durch ein Korsett geformt wurde.

Und so ist es streng genommen noch gar nicht so alt, das weiße Brautkleid. Lediglich die modische Ausstattung hat sich an den Stil der Zeit orientiert, so dass die Braut mal im kurzen und mal im längeren Kleid, mal weit geschnitten und dann wieder super eng, mal mit Petticoat und mal sogar mit Stiefeletten vor den Altar schritt.

Auch wenn das weiße Brautkleid heute noch „hochmodern“ ist, so zeigt sich doch ein vielseitiger Stil. Aber ob mit bodenlanger Robe oder mit aufwändigen Stickereien, ob in Seide oder in hauchdünnem Chiffon – modisch gesehen ist alles erlaubt. Und doch gilt: Nur die Farbe weiß schafft jenen träumerischen Blick, für den Bräute so berühmt sind.